Klaus spielt schon seit 38 Jahren Boule.

Klaus und die Faszination des Boulespiels

Ruhe, Konzentration, Taktik – und eine besondere Gemeinschaft

Wie kommt man eigentlich zum Boulespiel? Bei Klaus begann alles ganz einfach: mit Boccia im familiären Kreis, im Garten, mit Plastikkugeln – just for fun.

Das eigentliche Präzisionsspiel mit Metallkugeln lernte er später während eines Frankreichurlaubs kennen und schätzen. Der entscheidende Moment war eine Szene in Südfrankreich: Auf dem Vorplatz einer Kathedrale in einem kleinen Ort spielte eine harmonische, generationsübergreifende Gesellschaft Boule.

Dieses Bild blieb hängen.

„Der Zufall wollte es, dass auch im Freundeskreis ähnliche Erfahrungen gemacht wurden“, erzählt Klaus. „So verabredeten wir uns vor 38 Jahren regelmäßig zum Boulespielen.“

Was ihn am Anfang besonders reizte, war eine Kombination aus mehreren Dingen: die Ruhe, die Konzentration, das taktische Spiel und natürlich die Geselligkeit. Genau diese Mischung macht Boule für ihn bis heute besonders.

Anders als viele andere Sportarten lebt Boule für Klaus von der Präzision. Mit Metallkugeln sind Würfe in unterschiedlichen Bögen möglich, verschiedene Techniken können erfolgreich angewendet werden. Es ist ein Spiel, das ruhig wirkt, aber viel Können, Erfahrung und Gefühl verlangt.

Aus dem Spiel im Freundeskreis wurde später mehr. Die Leistungsorientierung kam, als sich die Gruppe einige Jahre später als Ligamannschaft anmeldete. Aus dem lockeren Spiel wurde ein sportlicher Anspruch.

Klaus trainiert sowohl das Legen als auch das Schießen. Deshalb spielt er im Triplette am liebsten als Milieu, also in der Rolle zwischen Leger und Schießer.

Beim Legen geht er den Weg zum Schweinchen ab, versucht den Boden zu lesen und markiert seinen Aufprallpunkt. Beim Schießen dagegen konzentriert er sich ganz auf die zu treffende Kugel.

„Beim Schießen ist ein Tunnelblick hilfreich“, sagt Klaus.

Auf die Frage, was schwieriger ist – eine perfekt gelegte Kugel oder ein sauberer Schuss – hat er eine klare Antwort: Eine perfekte gelegte Kugel sei schwieriger. Denn der Zustand des Bodens könne immer für eine Überraschung sorgen.

Der schönste Moment während einer Partie ist für Klaus nicht unbedingt die spektakuläre Einzelkugel. Es ist vor allem das harmonische Zusammenspiel im Team.

„Ein harmonisches Zusammenspiel des Teams ist immer der schönste Moment, weil es auch die eigene Leistung fördert.“

Als Autor dieses Beitrags kann ich das nur bestätigen. Ich spiele regelmäßig mit Klaus zusammen – auch als Training für Ligaspiele. Das Schöne daran ist: Klaus reagiert immer positiv auf gut gelegte Kugeln. Und wenn es einmal nicht so gut läuft, hält er die Stimmung im Team hoch und macht Mut.

Seine Erfahrung ist auch ganz praktisch wichtig: bei der Mitorganisation von Turnieren, bei Veranstaltungen und natürlich bei Angeboten wie „Sport im Park“, wo er neue Spielerinnen und Spieler ruhig und verständlich in die Geheimnisse des Boulespiels einführt.

Besonders spannend wird Boule für ihn bei einem ausgeglichenen Spiel auf Augenhöhe beider Teams. Dann geht es nicht nur um Technik, sondern auch um Konzentration, Nervenstärke und Vertrauen in den eigenen Wurf.

Boule lehrt nach seiner Erfahrung auch etwas über sich selbst. Es geht darum, die eigene körperliche Balance und Konzentration zu finden – insbesondere dann, wenn Stress vorhanden ist.

Das verbreitete Bild, Boule sei vor allem etwas für ältere Menschen oder für den Urlaub, sieht Klaus kritisch. „Nein, auf gar keinen Fall“, sagt er. Zwar würden junge Menschen häufig eher kräftezehrende Sportarten schätzen, aber Boule sei viel mehr als ein gemütliches Urlaubsspiel.

Was braucht ein Anfänger oder eine Anfängerin? Vor allem Interesse am Boulespiel. Hilfreich seien eine Affinität zu diesem Spiel und ein gewisses „Händchen“. Wer denkt: „Das kann ich bestimmt nicht“, bekommt von Klaus einen einfachen Rat: „Immer positiv denken und locker bleiben.“

Wenn er Menschen zum ersten Mal das Boulespiel erklärt, achtet er auf die Grundlagen: Haltung und Wurf. Alles andere müsse ausprobiert werden.

Dabei steht für ihn nicht nur das Gewinnen im Mittelpunkt. Wichtiger ist das gemeinsame Spiel.

Der Karlshofer Boule Club ist für Klaus deshalb weit mehr als ein Sportverein. Er ist ein Ort der Gemeinschaft unter gleichgesinnten Menschen. Die Atmosphäre auf der Boulebahn beschreibt er als offene und harmonische Gesellschaft, die es lohnt kennenzulernen.

Zu seinen schönsten Boule-Erlebnissen gehören schwierige Partien, die gewonnen wurden, weil fast alles geklappt hat, was man sich vorgenommen hatte. Solche Momente bleiben: wenn Taktik, Technik, Konzentration und Teamgeist zusammenkommen.

Klaus investiert viel Zeit in Boule – mit einem Augenzwinkern sagt er: „Zu viel, wenn es nach meiner Frau geht.“

Dazu gehört nicht nur das Spielen und Trainieren. Klaus engagiert sich auch im Vorstand des Vereins. Seine Aufgaben sind unter anderem die Organisation verschiedener Turniere und der Kontakt mit den Mitgliedern. Zufriedenheit gibt ihm dabei vor allem die Möglichkeit, Menschen zusammenzubringen und das Boulespiel bekannter zu machen.

Am Donnerstag gibt es noch einmal die Gelegenheit, Boule selbst auszuprobieren: Bei „Sport im Park“ auf der Boulebahn in Karlshof.

Menschen, die zum ersten Mal kommen, können die Grundlagen des Boulespiels kennenlernen. Eigene Kugeln müssen nicht mitgebracht werden.

Was Klaus hofft, dass neue Spielerinnen und Spieler nach einer ersten Boule-Stunde mit nach Hause nehmen? Interesse am Boulespiel.

Und sein persönlicher Tipp für eine gute erste Kugel?

„20 Zentimeter vor dem Schweinchen.“